Dr. Sarah Schläppi: Das Geschäftsjahr 2025 war, wie die Jahre zuvor, von grossen Unsicherheiten im Weltgeschehen geprägt. Dies beeinflusst auch die Energiemärkte und die Versorgungslage. Als Reaktion werden europaweit Bemühungen vorgenommen, die Energiequellen, insbesondere beim Gas, zu diversifizieren. Dabei geht es darum, Europas Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu mindern, ein breit abgestütztes Netz aufzubauen und dadurch seine Resilienz zu stärken.

Martin Kamber: Die Energiewende bleibt weiterhin im Fokus unseres Handelns. Im Geschäftsjahr war die Umsetzung des Mantelerlasses eine grosse Herausforderung, welcher wir uns gestellt haben. Die Grösse des ESB stellte sich als Vorteil heraus.  So ist er weder zu gross noch zu klein, um auf die sich rasch verändernden Umstände zu reagieren. Die Entscheidungswege sind kurz, und gleichzeitig verfügt der ESB intern über die relevanten Kompetenzen.

Martin Kamber und Dr Sarah Schläppi im Gespräch

Dr. Sarah Schläppi: Hinsichtlich der langfristigen Versorgung der Schweiz mit Energie trägt der ESB als lokaler Versorger auch Verantwortung. Deshalb wird die Strategie regelmässig überprüft und hinterfragt.

Der ESB setzt in diesem Kontext bevorzugterweise auf die Produktion von erneuerbarem Strom und nachhaltige Wärmeenergie, die regional, oder zumindest national gewonnen werden. Da der ESB rund die Hälfte des Stroms auf dem Markt einkaufen muss, um den Bedarf zu decken, verfolgt er eine strukturierte Beschaffungsstrategie über mehrere Tranchen. Zudem plant der ESB den weiteren Ausbau erneuerbarer Stromproduktion. Damit positioniert er sich als zuverlässigen Partner, der den Bielerinnen und Bielern stabile Preise bieten kann.

Martin Kamber und Dr. Sarah Schläppi

Martin Kamber: Der Ausbau der Energieverbünde schreitet weiterhin voran. Im März 2025 wurde der Energieverbund Bielersee eingeweiht, der weite Teile der Stadt Nidau sowie Quartiere von Biel und Ipsach mit erneuerbarer Wärme und einzelne Grosskunden mit Kälte aus dem Bielersee versorgt. Auch das Anergienetz Stadtzentrum Süd wurde im ersten Quartal 2025 in Betrieb genommen und versorgt seither das Gebiet rund um die Esplanade mit sogenannt kalter Fernwärme. Dies erlaubt es, die angeschlossenen Gebäude sowohl zu heizen als auch zu kühlen.

Die rasant voranschreitende Digitalisierung beeinflusst natürlich auch die Arbeitsweise des ESB, die Kundenbeziehungen, die internen Abläufe und auch die Entwicklung von neuen Angeboten. Somit hat der ESB im Verlaufe des Jahres die Ablösung seiner Webseite sowie den Aufbau eines neuen Kundenportals gestartet. Neue Funktionen sollen den Austausch mit der Kundschaft und der Öffentlichkeit vereinfachen. Auch die internen Abläufe werden laufend den neuen Bedingungen angepasst und optimiert. 

Insgesamt erweist sich der Rückblick auf das Geschäftsjahr 2025 als sehr zufriedenstellend, das Resultat liegt unter anderem aufgrund von positiven Wettereinflüssen über den Erwartungen.

VR ESB
Der ESB-Verwaltungsrat, von links nach rechts: Lena Frank - Glenda Gonzalez Bassi - Claudio Marrari - Dr. Sarah Schläppi, Präsidentin - Nicolas Suter - Stefan Dörig - Marcel Gerber